you weren’t supposed to hear this
upright piano, objects, and fixed media
Jana Luksts
you weren’t supposed to hear this
upright piano, objects, and fixed media
Jana Luksts
you weren't supposed to hear this explores the familiar from an unfamiliar perspective. A set of small graphic scores, whose structure and forms are derived from extreme photographic close-ups of musical instruments, reveal textures and patterns normally invisible to the naked eye. These images are magnified once again through video, while the piano, whispered voices, and fragments of conversation move between intelligible speech and indistinct sound.
Throughout the performance, familiar materials are presented in ways that both reveal and obscure their original form.
Combining quiet sounds and images, the performance explores what we choose to reveal or conceal, and what happens when we see or hear something that wasn't intended for us.
program
Nikola Lutz
auszüge aus “Werkreihe GraphicSounds”
graphische Partituren für diverse Besetzungen
2011-aktuell
Program Note from Nikola:
Mit der Reihe GraphicSound erforscht Nikola Lutz seit 2006 Zusammenhänge von visueller und auditiver Wahrnehmung. Dabei kommen musikalische Grafiken als formbildendes Element für Improvisation zum Einsatz. Bislang sind neun Sammlungen grafischer Partituren sowie drei Vinylobjekte entstanden. Den Grafiken liegt ein mehrstufiger Arbeitsprozess zugrunde. Zunächst werden Details aus Fotografien vergrößert, die so gefundenen Strukturen werden in abstrakte von Hand gezeichnete Formen übertragen.
GraphicSound ist ein Improvisationskonzept mit grafischen Partituren für variable Ensembles. Durch die zeichenhaften aber nicht eindeutig kodierten Grafiken entsteht eine Fokussierung auf ein offen definiertes Material, das die improvisatorische Entwicklung von Musik kanalisiert ohne sie zu determinieren. Aus den einzelnen Grafiken entsteht eine formal variable Partitur, sie bilden eine gleichformatige Sammlung halbtransparenter Folien, die immer wieder neu zusammengestellt und überlagert werden können. Die hierarchiefreie Gleichzeitigkeit visueller und akustischer Wahrnehmung wird zur formenden Kraft für das Stück. GraphicSound führt Musiker und Zuhörer ins Grenzfeld von Kontrolliertem und völlig Freiem.
Jana Luksts is a Canadian pianist and curator based in Berlin, specializing in experimental and contemporary music. Her artistic practice explores unconventional notation (complexism, graphic scores), and the incorporation of extra-musical materials and research into the development of new concert formats.
From Beethoven to Ferneyhough, Jana has performed internationally across Europe and North America, with professional engagements at venues and festivals including the DiMenna Center for Classical Music (NYC), ORF RadioKulturhaus (Vienna), hr-Sendesaal (Frankfurt), Musik der Jahrhunderte (Stuttgart), transmediale (Berlin), Sound Symposium XIX (Canada), and the Delian Academy for New Music (Mykonos). Her performances have been broadcast by CBC Radio (Canada), hr2-kultur (Germany), and ERT 3 (Greece). She has additionally participated in leading contemporary music courses, including the Darmstädter Ferienkurse and Klangspuren Schwaz.
Her work has received support from the Canada Council for the Arts, Musikfonds, and Goethe-Institut. She holds a Master's degree in Neue Musik from the Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, where she studied with Nicolas Hodges.
Nikola Lutz ist Saxofonistin, Komponistin, Medienkünstlerin und Kuratorin. Sie studierte Saxofon in Bordeaux und Stuttgart und ist eine profilierte Spielerin Neuer und experimenteller Musik. 2010 wurde sie mit dem 1. Preis sowie dem Publikumspreis beim internationalen Saxofonwettbewerb in Paris ausgezeichnet. Zahlreiche Uraufführungen von Komponierenden wie Ying Wang, Andrés Gonzáles, Huihui Cheng, Alan Hilario, Makiko Niskikaze oder Christophe Havel markieren ihr konstantes Interesse an der kreativen Entwicklung der Saxofonmusik. Neben dem Saxofon spielt sie seit 2013 das osteuropäische Instrument Tárogató, für das sie zahlreiche Werke in Auftrag gab. Tourneen führten sie nach Nord- und Südamerika, Korea, China, Russland, Indien und europäische Länder.
Als Komponistin gilt ihr Interesse der elektronischen Musik und der Konzeptimprovisation, so z.B. in der abendfüllenden Multimedia-Performance foco_2018, die sie für den Deutschlandfunk realisierte. Ebenfalls 2018 lernte sie den chilenischen Kontrabassisten César Bernal kennen und gründete mit ihm das Duo YonX, das seither den Raum zwischen Improvisation und Komposition auslotet. Als Improvisatorin kultiviert Nikola Lutz eine radikale Hinwendung zum durchlebten Moment. Ihr Interesse gilt dabei dem Körper als komplexem ästhetischem Filter und Quelle eingekörperter Information. In der Projektreihe MadMap erforscht YonX in multimedialen Improvisationskonzepten Spuren verschiedener Zeiten und Ereignisse, die sichtbar oder unterschwellig in Orte eingraviert sind. 2025 veröffentlichte das Duo die CD zek.
Kunst ist für Nikola Lutz eng mit gesellschaftlicher Entwicklung verbunden, folgerichtig wählt sie bevorzugt Sujets aus Politik und aktuellen Themen. Mit den Projekten freemascha.org (2022) und mem.cont.act (2023) protestierte sie mit künstlerischen Methoden gegen die Verhaftung Maria Kalesnikavas und schuf Räume für die Redefreiheit unterdrückter Gruppen. Ihre künstlerische Sprache erweitert sie flexibel den Erfordernissen gemäß.
Seit 2020 arbeitet Lutz zunehmend multimedial und als Video- und Netzkünstlerin. Von Spielfreude mit neuen Technologien getragen, widmet sie sich der Kritik und Reflexion der Digitalisierung. 2021 kuratierte sie das Festival My Behavioral Surplus, das die sozialen Folgen des Datenkapitalismus untersuchte. 2022 schloss sie sich der nota Gemeinschaft an, die die Online-Plattform nota künstlerisch auslotet und weiter entwickelt. Diese Software bietet die Möglichkeit, die strukturelle Normativität und Binarität der Digitalkultur zu hinterfragen. Im Projekt sonic resistance führt sie 2026 ihre Kritik weiter und reflektiert in ihrer Komposition Algophobia digitale Betäubungsstrategien und den gesellschaftlichen Diskursverlust in der Filterbubble.
Im Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik e.V., das sie seit seiner Gründung 2015 leitet, engagiert sie sich für die Förderung der Neuen und experimentellen Musik im Stuttgarter Raum.