DISRUPTED
Delia Ramos Rodríguez, Violine/Performance
Federico Ambruosi, Live-Elektronik
DISRUPTED
Delia Ramos Rodríguez, Violine/Performance
Federico Ambruosi, Live-Elektronik
Programm
Maurizio Azzan - Diptych #1 (2021) für Violine und Live-Elektronik
Unsuk Chin - Double Bind? (2007) für Violine solo und Elektronik
Federico Ambruosi - New piece (2026) (UA) für Violine und Live-Elektronik
Richard Barrettheard shadows & watched voices (2021-22) solo performer (violin/voice/movement) and 4-channel electronics
Das Konzertprogramm vereint vier zeitgenössische Werke aus unterschiedlichen ästhetischen, kulturellen und generationellen Kontexten und begreift Musik als einen Erfahrungsraum von Spiegelung, Wahrnehmungsverschiebung und Bindung – zwischen Klang und Raum, Körper und Technologie, Erinnerung und Gegenwart. In der Verbindung von Violine, Live-Elektronik und performativen Elementen wird der Interpret dabei nicht nur als Ausführender, sondern als handelnde, reagierende Präsenz sichtbar, deren musikalisches Tun untrennbar mit körperlicher, räumlicher und medialer Wahrnehmung verknüpft ist.
Maurizio Azzans each mirror infects itself (2017) erö net das Programm mit einer radikal reduzierten und zugleich hochsensiblen Klangsprache. Spiegelung erscheint hier nicht als bloße Wiederholung, sondern als Prozess der Transformation und Selbstveränderung. Klangereignisse reagieren aufeinander wie Re exionen, die sich gegenseitig beein ussen, verzerren und destabilisieren. Wahrnehmung wird als fragiler, ständig neu auszuhandelnder Vorgang erfahrbar – zwischen präziser Kontrolle und intuitiver Reaktion des Interpreten im Zusammenspiel mit elektronischen Prozessen.
Unsuk Chins Double Bind? (2007) entfaltet ein komplexes Ge echt aus energetischen Gesten, rhythmischer Präzision und klanglicher Vielschichtigkeit. Der Titel verweist auf widersprüchliche Bindungen und paradoxe Kommunikationsstrukturen. Die Musik oszilliert zwischen Kontrolle und Entgrenzung, zwischen körperlicher Geste und abstrakter Struktur, und erzeugt Spannungen, die sich nicht au ösen, sondern produktiv o en bleiben. Der Interpret bewegt sich hier in einem Feld permanenter Entscheidung – musikalisch wie performativ.
Richard Barretts heard shadows & watched voices (2021–22) beschließt das Programm mit einer dichten, hochartikulierten Klanglandschaft, in der sichWahrnehmungsebenen überlagern. Hören und Sehen, Präsenz und Imagination, Stimme, Körper und Schatten treten in ein spannungsreiches Wechselverhältnis. Das Werk stellt Fragen nach der Materialität von Klang ebenso wie nach den Grenzen zwischen physischer Realität und mentalem Raum – und fordert vom Interpreten ein gleichzeitiges Agieren als Musiker, Performer und Vermittler zwischen diesen Ebenen.
Insgesamt entwirft das Konzert einen dramaturgischen Bogen, der zeitgenössische Musik als o enen Erfahrungsraum versteht: als Spiegel, als Bindung, als Erinnerung und als Projektion. Es lädt ein neugieriges Publikum dazu ein, Hör- und Sehgewohnheiten zu hinterfragen und Klang nicht nur als akustisches Phänomen, sondern als aktiven Denk-, Wahrnehmungs- und performativen Prozess zu erleben. Delia Ramos Rodríguez, Violine/Performance Federico Ambruosi, Live-Elektronik
Bios
Delia Ramos Rodríguez ist eine spanische Geigerin und Dirigentin mit Fokus auf der Kammermusik, der zeitgenössischen Musik, der Improvisation und der interdisziplinären Performance.
2019 schloss ein Masterstudium bei Prof. Anke Dill an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ab. Es folgten 2021 ein Master Neue Musik bei Melise Mellinger und Prof. Nurit Stark und 2024 ein Master Ensembleleitung Neue Musik bei Christof M Löser.
Mit Schwerpunkt in der Neuen Musik und Performance hat sie mit verschiedenen Komponist*innen gearbeitet darunter u.a. mit Jennifer Walshe, Marco Stroppa, Helmut Lachenmann, Nicolaus A. Huber, Richard Barrett, Eloin Lovis Hübner, Hanna Hartman und Jessie Marino, sowie mit Dirigent*innen wie Bas Wiegers, Ingo Metzmacher, Susanne Blumenthal, Michael Wendeberg und Jonathan Nott.
Als Geigerin spielt sie regelmäßig sowohl solistisch – beispielsweise im Rahmen des Förderkreises Neue Musik Heilbronn – als auch in verschiedenen Kammermusikformationen, Ensembles und Orchestern auf, darunter das Ensemble Resonanz, das Ensemble Modern, das Kairos Quartett, die MAM.manufaktur für aktuelle Musik, das Stuttgarter Kammerorchester, die Württembergischen Philharmonie Reutlingen in Konzertsälen in Deutschland, Spanien, Italien und der Schweiz auf. Sie war Lehrbeauftragte für Streicher- und Kammerensembles an der Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.
Für die Spielzeit 2025/26 war sie Dirigentin bei der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA). Sie hat bereits mehrere Werke verschiedener Komponist*innen zur Uraufführung gebracht und ist mit Ensembles wie dem Ensemble DME aus Lissabon, dem Ensemble Modern, dem Ensemble Ascolta und Orchestern wie dem Stuttgarter Kammerorchester in Brasilien, Portugal, den Azoren und Deutschland, und bei Festivals wie Ultima Oslo (Norwegen), Gaudeamus (Niederlande), den Wittener Tagen für Neue Kammermusik, der Cresc... Biennale für Aktuelle Musik aufgetreten. Seit September 2024 ist sie Leiterin vom Aufstrich Kammerorchester in Stuttgart.
https://www.delia-ramos-rodriguez.com/
https://www.instagram.com/delia_ramos_rodriguez/
Federico Ambruosi (Bari, 2001) ist ein italienischer Komponist, Elektronikmusiker und Soundregisseur, der sich auf zeitgenössische und experimentelle Musik spezialisiert hat, insbesondere auf die Interpretation elektroakustischer Werke. Derzeit lebt er in Frankfurt am Main (DE).
Seine musikalische Ausbildung begann er im Alter von neun Jahren mit dem Studium der klassischen Gitarre, wechselte später zum E-Bass und dann zur Computermusik. Sein Studium der elektronischen Musik begann er bei Riccardo Giovinetto (OZMOTIC). Am Giuseppe-Verdi-Konservatorium in Mailand schloss er sein Masterstudium in Computermusik (MA) unter der Leitung von Davide Gagliardi und Fabio Venturi mit Bestnote ab. Außerdem studierte er als Erasmus- Student am Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) der Kunstuniversität Graz (AT). Im Jahr 2024 absolvierte er das Fortbildungsprogramm für Live-Elektronik und Klangregie an der Accademia Chigiana di Siena bei Alvise Vidolin und erwarb das „Diploma di Merito“.
Als Komponist studiert er derzeit Komposition am Konservatorium von Mantua unter der Leitung von Zeno Baldi und besucht zudem Kurse bei Maurizio Azzan an derselben Einrichtung. Im Oktober 2026 wird er nach Den Haag ziehen, um dort am Institut für Sonologie des Königlichen Konservatoriums Den Haag elektroakustische Komposition bei Richard Barrett zu studieren. Er hat unter anderem an Meisterkursen bei Clara Iannotta, Mauro Lanza, Natasha Barrett und am IRCAM teilgenommen. Seine Werke wurden von Ensembles und Solisten wie dem MDI Ensemble, dem Ensemble SuonoGiallo, Myriam García Fidalgo (Schallfeld Ensemble) und Florentin Ginot aufgeführt, unter anderem bei Festivals wie Mixtur (ES), ilSUONO Contemporary Week (IT) und dem Foresty Music Festival (IT). Er wurde mit der PiGro-Residenz 2024 für elektroakustische Komponisten am Centro Tempo Reale (Florenz) ausgezeichnet.
Als Solist, Elektronik-Performer und Soundregisseur hat er mit Ensembles, Solisten und Komponisten wie dem Ensemble Recherche, dem Ensemble Modern, dem Ictus Ensemble, dem Schallfeld Ensemble, Cikada, dem Orchestra del Teatro Petruzzelli di Bari, Ilya Gringolts, Richard Barrett, George Lewis, Eloain Lovis Hübner und Pierre Jodlowski zusammengearbeitet und ist bei Festivals wie Ultima Oslo (NO), Gaudeamus (NL), den Wittener Tagen für Neue Kammermusik (DE), der Cresc... Biennale für Aktuelle Musik (DE), Open Music Graz (AT), dem Bifest (IT) und Mixtur (ES).
Im Jahr 2025 wurde er als Soundregisseur und Live-Elektronik-Performer für die IEMA (International Ensemble Modern Academy) ausgewählt, wo er von 2025 bis2026 von den Musikern des Ensemble Modern und Norbert Ommer in der Aufführung und Interpretation zeitgenössischer Musik ausgebildet wurde, während er gleichzeitig ein Aufbaustudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt (DE) absolvierte.
Er ist Gründungsmitglied des Computermusik-Kollektivs Sistema Ensemble – in Residenz bei AGON – Acustica Informatica Musica (Mailand, bis 2027) –, das sich der Entwicklung des Repertoires für Laptop-Ensembles sowie der Aufführung und Interpretation von Computermusik widmet. Seit 2025 ist er Mitglied des Chigiana Live Electronics Ensemble, das unter der Leitung von Alvise Vidolin an der Accademia Chigiana di Siena ansässig ist. Zu seinen jüngsten Projekten zählen zudem eine halbimprovisierte Zusammenarbeit mit dem Duo Dubois (Saxophon und Percussion) sowie ein Duo aus Violine und Live-Elektronik mit Delia Ramos Rodriguez. Im Jahr 2026 wurde er in das Künstlernetzwerk der Plattform Ulysses aufgenommen.
https://youtube.com/playlist?list=PL2VDfJham5M59DPhNfU9Nwqnh6X6eKM4U&si=Vf0Dn-hzHz_GnwDe