FLACKER

Maximilian Marcoll - Canone monodico a 2 (2018)

Nick Norton - Slow Earth (2016)

Flacker - flckrrr #2a (2021)

Tristan Murail - Atlantys (1984)

Flacker - flckrrr #2b (2021)

Simon Steen Andersen - Mono (2014)

FLACKER ist ein Duo, bestehend aus Felix Nagl und Thilo Ruck.

Es hat den experimentellen Ansatz, Programme aufzuführen, die zur Hälfte komponierter und zur Hälfte improvisierter, instrumentaler und medialer, visueller und auditiver, analoger und digitaler … Wesensart sind.

Martin Schüttlers Dein Penis ist eine zeitliche Matrix, innerhalb derer improvisierend ein krudes Setup aus Kontaktmikrofonen und Transducern feedbackend seine Umgebung erkundet.

Simon Steen-Andersens Nachgesang ist digitaler Autotune-Gesang, der über umständliche Umwege in die analoge Mundhöhle der Spieler*in projiziert wird, um von dort quasi bio-gefiltert mikrofoniert zu werden. Das berühmteste Plugin des 21. Jahrhunderts - vermenschlicht.

Nick Nortons slow earth zeichnet eine erkaltete Gesteinsmasse nach. Die Kräfte, die auf sie einwirkten, werden in einer verfalteten, verschmolzenen Klangmasse mit wenigen Vorgaben improvisierend imaginiert.

Enno Poppes Arbeit macht genau das - Arbeit beim Spielen, Arbeit beim Hören, und ist schiere, mitreißende Energie.

FLACKERs kaltweiß2 ist eine Improvisation. Keine Absprachen, alles kann passieren. Felix zerstört sein Keyboard/Thilo wartet auf den richtigen Einsatz, verpasst ihn und geht/beide improvisieren im perfekten unisono weißes Rauschen mit Bogenform-Hüllkurve… schwer, einen Text über offene Improvisatioon zu schreiben. Alles kann passieren.

Die „Musik“ dieser Programme - und die Musik, die FLACKER interessiert - könnte von vielen sicherlich als Beleidigung angesehen werden, verfolgt sie doch kaum das Ziel, Phänomene wie fassliche Rhythmen, Melodien, instrumentale Virtuosität oder euphonische Wogen zu beschwören. Vielmehr passieren hier und jetzt schlichtweg - Dinge. Dinge, denen man am besten mit den Ohren, aber auch mit den Augen versucht auf die Schliche zu kommen. Wachheit und Aufmerksamkeit, kritisches Mitdenken, gerne auch Bewerten oder Widerstand bekunden sind erlaubt. Entspanntes Zurücklehnen und immersives Sich-Hingeben nicht.

Felix Nagl. Foto: Julia Schäfer

Thilo Ruck. Foto: Julia Schäfer

BIOS

Felix Nagl ist als Pianist, Performer und Sounddesigner im Bereich der Neuen Musik sowie im Theaterkontext aktiv. Er arbeitet bevorzugt im Spannungsfeld zwischen digitalen und analogen Klangwelten und kollaboriert mit Künstler*innen aller Sparten um Themen- und Raumbezogene Konzertformate zu entwickeln. Sein Instrumentarium reicht vom akustischen Klavier über Synthesizer und Tonbänder bis hin zu elektrischen Zahnbürsten. Er bespielt Konzerthäuser, Clubs und Festivals (Festspielhaus Salzburg, Gasteig München, Staatstheater Stuttgart, White Noise Stuttgart, Next-Generation Donaueschingen, Konvergence-Festival Prag, Sommer in Stuttgart, Südseite Nachts Stuttgart, Fuchsbau-Festival Hannover) und ist Mitglied der Ensembles Pony Says, y-band sowie des Theater-Kollektivs Goldstaub und arbeitete mit Klangkörpern wie dem Ensemble Ascolta, Collegium Novum Zürich und dem SWR-Symphonieorchester. Er war Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg und gibt regelmäßig Workshops für Neue und elektronische Musik. Seit Oktober 2020 ist er Vorstandsmitglied des Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg e.V.

Thilo Ruck ist in den Formationen AAA-AAA, Pony Says, suono mobile und Y-Band im Bereich zeitgenössischer Musik tätig. Er übt Zahnbürste, Kugelschreiber und Choreographien ebenso wie Gitarren und Effektgeräte. Außerdem beschäftigt er sich mit Improvisation in verschiedenen Besetzungen und Kontexten.

Für ihn ist der zeitgenössische Interpret vielseitig informiert, arbeitet mit mehr als nur instrumentalem Background auf Augenhöhe mit Komponierenden an Stücken und Konzepten und stellt einen individuell zu berücksichtigenden Faktor bei der Komposition dar.

Aspekte des Visuellen, Körperlichen, Aufführungspraktischen und Analytischen sind selbstverständlicher Teil seiner Arbeit. Ein Körper ist schließlich kein Klavier. Diesseitige, konzeptuelle, noisige und konkrete Ästhetiken faszinieren ihn am meisten.

Er erhielt einen Ersten Preis beim Karlsruher Wettbewerb für die Interpretation zeitgenössischer Kammermusik und einen Sonderpreis beim Carl-Wendling Kammermusikwettbewerb (Interpretation eines Stückes nach 1970).

Er hat Lehraufträge an der HMDK Stuttgart (E-Gitarre), HfM Karlsruhe (zeitgenössische Improvisation) und an der PH Heidelberg (Gitarre) inne.

Er ist aktiv beim Stuttgarter Kollektiv für Aktuelle Musik (S.K.A.M.) und dem Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg.

An der HMDK Stuttgart studierte er zuletzt in der Solistenklasse bei Prof. Tillmann Reinbeck, die er mit Auszeichnung abschloss.